Immer wieder müssen Hunde abgeholt und in eine Pflegestelle oder ihr neues Zuhause gebracht werden. Das realisieren wir häufig über Fahrketten, wenn die zu fahrende Strecke für einen Fahrer zu lang ist. Eine Fahrkette bedeutet dass mehrere Fahrer sich die Strecke teilen und die Hunde dementsprechend auch mehrmals umsteigen müssen. In der Regel verkraften sie das aber sehr gut, und wenn sie am Ziel angekommen sind schütteln sie die Anstrengung schnell wieder ab. Aber so eine Fahrkette ist durch den direkten Kontakt mit den Hunden auch manchmal für die Fahrer ein prägendes Erlebnis. Ein Vereinsmitglied hat einmal ihre Eindrücke einer Fahrkette niedergeschrieben:
Heute war es mal wieder soweit und es hieß Hunde zu fahren. Wie immer hat der Ablauf echt gut geklappt und ich bin echt froh, das alle so bereitwillig gesagt haben sie fahren.
Aber irgendwie war es auch eine seltsame Fahrtkette heute, ich meine von meinen Gefühlen her. Ich habe ja als erstes A* übernommen, ein Riesenbaby, und Baby trifft es wirklich. Einfach nur süß der Kerl und er weiß gar nicht was er für eine Kraft hat. Die Übernahme war super, die Leute super nett ja und dann saß er schon in meinem Auto. Dort lag er dann schaute uns aus traurigen Augen an und wartete darauf was weiter passiert.
Dann fuhr ich los um J* abzuholen. Auch sie saß nach etwa 20 Minuten bei mir im Auto. A* hatte sich während der ganze Zeit nicht gemuchst. J* war ganz anders drauf. Überdreht, hungrig, liebesbedürftig und wollte andauernd zu mir nach vorne entweder um die Leckerlies zu fressen und als sie irgendwann gemerkt hat, es ist nichts mehr da, wollte sie am liebsten bei mir auf dem Schoß kuscheln.
Also hatte ich nun die beiden an Bord und konnte mich auf den Weg machen. Ich habe ja nun schon oft Hunde gefahren, aber diesmal habe ich viel nachgedacht, darüber warum manche Menschen das tun was sie tun. J* hat so sehr einfach nur jemanden verdient bei dem sie für immer kuscheln kann und ich habe überlegt, warum sie das nicht schon gefunden hat. Warum wurde sie einfach so weggegeben? Wie kann man das tun? Ohne sich darüber Gedanken zu machen was aus dem Hund wird? Ja mir stieg die ein oder andere Träne in die Augen, auch wenn J* eigentlich kein angenehmer Beifahrer war, denn sie kann sich auch lautstark bemerkbar machen, wenn sie etwas will, oder wollte halt nach vorne krabbeln, was wenn man alleine fährt echt nicht einfach ist.
Ja und hinten im Kofferaum war dann A*, von dem sah man nichts, obwohl er eigentlich nicht zu übersehen ist und von ihm hörte man nichts. Aber auch er ist einfach nur eine super arme Socke. Kommt aus einer Stelle wo er nie wieder hin zurück soll, einfach um ihn zu schützen. Hat in seinem Leben noch nicht wirklich leben dürfen und sich trotzdem einen so liebevollen Charakter erhalten. Er schaut einen an (oder mir ging es zumindestens so) und alles was man will ist ihn in den Arm nehmen und sagen alles wird gut.
Die Übergabe mit der Pflegestelle für A* und dem anderen Fahrer der J* für die nächste Etappe übernahm lief super ab. A* war stark verunsichert und auch hier hatte ich nur das Bedürfnis ihn in den Arm zu nehmen. Aber ich wusste, er kommt in gute Hände. Tja und J* war halt J*. Sie ist zwar nicht der draufgängerischte Hund, aber so schnell einzuschüchtern ist sie auch nicht. Sie ist dann zwar zurück haltend, aber nicht super ängstlich, ja und Menschen bringen Futter und Streicheleinheiten, das ist für sie schon sehr wichtig. A* wollte einfach nur da weg. Deswegen war er froh wieder in den Kofferaum zu dürfen und lag wieder zitternd, unsicher und mit den riesen Augen da.
Die Heimfahrt ist dann irgendwie bei solchen Hunden immer das schlimmste. Man überlegt die ganze Zeit wie geht es weiter mit ihnen, wie leben sie sich ein, warum sind manche Menschen so ätzend, das sie nicht über das Leid der Tiere nachdenken. So wie die Leute bei denen J* war, aber auch die ehemaligen Besitzer von A*. Das ist auch der Grund warum ich auf Heimfahrten gerne telefoniere (B. und C. können davon ein Lied singen), dann kann ich mich ablenken und grübele nicht so viel.
Ich weiß nicht, wie geht euch das wenn ihr an Fahrtketten teilnehmt? Es ist ja nicht immer das gleiche, ich habe auch Hunde gefahren, da habe ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht und bei anderen grübelt man und denkt darüber nach was bisher war und wie es weiter geht. B* war auch so ein Fall. Ja und dann sind da manchmal die Hunde in die man sich Hals über Kopf verliebt, so wie C* damals
Naja ich hoffe, das die beiden es sich jetzt erst mal in Ihren Pflegestellen gut gehen lassen und wir ganz viel von ihnen hören.
Wenn Sie uns bei einer Fahrkette helfen möchten, melden Sie sich bitte bei uns. Je mehr Menschen bundesweit ein Stück fahren können, umso weniger strapaziös sind die Fahrten für Hunde und Fahrer, da dann häufig unnötige Umwege eingespart werden könnten.